Hochschulradio Stuttgart

HORADS goes Sziget 2019

Auch dieses Jahr ist HORADS wieder auf dem Sziget Festival in Budapest unterwegs und berichtet live vor Ort!

Das erste Sziget Festival fand 1993 statt und hat sich seitdem zu einem der größten und auch einem der beliebtesten europäischen Festivals entwickelt. Es findet im Herzen der ungarischen Metropole Budapest – auf der grünen Donau-Insel Óbuda statt und unterscheidet sich schon dadurch von vielen anderen europäischen Festivals. Davon zeugen auch die scheinbar endlosen Angebote des Sziget, die sich weit über die Headliner herausstrecken.

photo: [ Sandor Csudai ] . www.facebook.com/csudaisandor

Obwohl Musik ein wichtiger Teil des Sziget ist, sind Performances, Talks und Workshops ebenso Kernelemente. Die Talkrunden – ganz zum Thema der „Love Revolution“ passend, setzen sich mit Themen wie Gay Rights, Feminismus und Drag auseinander. Dazu werden TED Talks zu Themen wie TEDxWords, TEDxActions und TEDxHeroes gehalten. Die Performances sind weitreichend: Sie reichen von einem indischen Straßenzirkus zu britischen Comedians über eine brasilianische Trommel-Show bis hin zum deutschen Mister Piano. Und das ist noch lange nicht alles! Artisten und Performance Künstler kommen aus der ganzen Welt um ihr Talent zur Show zu stellen. Doch auch die Festivalbesucher – aus über 100 Ländern können an zahlreichen Workshops wie Bauchtanz und Yoga, Afro Drums oder einem „Love Revolution“-Art Workshop teilnehmen.

Das Sziget ist also ein Festival-Urlaub der besonderen Art. Mit dem friedlichen Zusammentreffen verschiedener Kulturen und Interessen verwandelt sich Óbuda in die „Island of Freedom“ mit der „Love Revolution“ – eine Revolution aus dem Zusammenhalt der Sziget-Gemeinschaft um Anliegen zu unterstützen, die helfen sollen unseren Planeten zu einem besseren Ort zu machen – sind genau das , was das Sziget so besonders macht.

Auch gesellschaftliches Engagement legt das Sziget an den Tag, denn in diesem Jahr arbeitet das Festival durch das Sammeln von Pfandbechern mit Superar zusammen um Kindern Musik näher zu bringen, deren Eltern es sich dies sonst nicht leisten könnten.

Selbstverständlich hat das Sziget auch musikalsch viel zu bieten. Fast 200 Künstler werden in diesem Jahr wieder beim Sziget erwartet. Als Hauptacts sind dieses Mal Stars wie Ed Sheeran, Post Malone, Martin Garrix und Burak Yeter mit am Start. Auch der deutschlandweit bekannte Singer-Songwriter Bosse hat am 12. August seinen Auftritt.

Das Festival bietet aber auch vielen Newcomern und noch unbekannteren Künstlern eine Bühne: Zu ihnen gehören die US-amerikanische Metal-Band „Of Mice & Men“,der englische Alternative-Rockmusiker Yungblud und die australische Indie-Rock-Gruppe „Gang of Youths“. Wir haben die beiden Mal etwas genauer unter die Lupe genommen:

Of Mice and Men hat sich 2009 in Costa Mesa, Kalifornien gegründet. Kleiner Fun-Fact: Ausgerechnet durch Lady Gaga kam die Band zu ihrem ersten Platten-Deal!  Ihre Metal-Version von „Poker Face“ hat das Label Rise Records so begeistert, dass die Band später von ihnen unter Vertrag genommen wurde.

Wie die Band überhaupt erst auf ihren Namen kam, ist schwer zu erraten. Im Gegensatz zu ihren knorrigen Metal-Sounds, zeugt dieser nämlich von Feingeist: Einerseits bezieht sich Mouse & Men auf den gleichnamigen John Steinbeck-Roman, gleichzeitig aber auch auf eine Zeile aus Robert Burns Gedicht „To a Mouse“.

Hinter Yungblud steckt der 21-jährige Dominic Harrison aus dem englischen Doncaster, South Yorkshire. Seine strengen Gesichtszüge und sein wilder Haarschopf erinnern an eine Kreuzung aus

photo Balázs Mohai

Johnny Rotten, 6ix9ine und an Syndrome von The Incredibles. In seiner Musik wird er unter anderem von der Band Twenty One Pilots beeinflusst, die übrigens auch auf dem Sziget spielen.

Bekannt ist Yungblud vor allem für seine sozialbewussten Protestlieder, aber auch für rotzige Punk-Nummern.

Gang of Youths ist eine fünfköpfige Band aus Sydney und zählt schon jetzt zu den vielversprechendsten Live Acts in ganz Australien. Ihr Debütalbum „The Positions“ aus dem Jahr 2015 landete bereits auf Platz fünf der australischen Album Charts. Die darauf folgende EP „Let Me Be Clear“ schaffte es sogar auf die Nummer zwei. Es folgten zahlreiche ausverkaufte Shows in Australien und eine große internationale Tour. Frontmann David Le’Aupepe beschreibt deren Musik dabei so: “I want people to feel affirmed, hopeful, and bigger. It’s about connecting the heart. That’s the most important thing we do”.

Ihr wollt noch mehr über die Sziget-Acts und das Festival allgemein erfahren? Dann schaltet unbedingt ein: Am 12. Juli um 16:00 Uhr mit dem Thema der Musik-Acts und am 19. Juli um 15:00 Uhr zum Nebenprogramm und der Bedeutung des Sziget allgemein auf HORADS zur Sziget-Spezialsendung!

In 1 Woche zum Medienprofi?

Why not?

Im Februar startet die erste HORADS 88,6 Spring School – unser Kompakt-Workshop-Angebot zwischen Winter- und Sommersemester.

Wie genau die Spring School abläuft und wie ihr euch anmelden könnt, erfahrt ihr hier:

www.horads.de/springschool

Wir freuen uns.

Euer HORADS 88,6 Team

SOUNDTRACK DES ERFOLGS – Die Playlist zum HdM-Abschluss im WS 20/21


Kennt ihr diese Situation? Im Radio läuft gerade ein Song, den ihr aus früheren Zeiten aufgeschnappt habt, den ihr in- und auswendig beherrscht und der über lang oder kurz als musikalisches Geleit firmierte – der Soundtrack eures Lebens. Damals schon, als die heiß erwartete Schulabschlussfeier im vollen Gange war, als der 18. Geburtstag noch einen Höhepunkt markierte, oder während ihr im Beisammensein mit einem besonderen Menschen die Zeit gänzlich vergessen konntet. Wie selbstverständlich schallte Musik im Hintergrund. Vibrationen von Luftpartikeln, kunstvoll zusammengesetzt, die um euch herumtanzten und den gegenwärtigen Moment voller Energie aufluden, versuchten ihn neu zu arrangieren und ihn am liebsten festhalten wollten, wie ein Rahmen ein Foto; eine kurze Aufnahme des unbändigen, ewig linearen Zeitstromes. Ohne es zu wissen wurden die Melodie eins mit den intensiven Szenen, in denen ihr selbst als Darsteller auftratet. Heimlich schlichen sie sich in euer Unterbewusstsein, manifestierten sich dort als Erinnerungen und Gefühle eines fixen Punktes im Gedächtnis. Dort ruhen sie nun als Reminiszenzen, konservierte Zeitgeister, die nur darauf warten wieder aufgeweckt zu werden. Es ist die Musik, die die einzigartige Kraft besitzt, ein Momentum zu erschaffen und dieses zugleich in ewige Bestandteile zu überführen.

Wie muss es da wohl heuer zugehen, wenn die Umstände der Pandemie in die Isolation drängen und voneinander trennen ? Wenn raum-zeitliche Gemeinsamkeit nur über Distanzen besteht ? Wenn die banalen und doch so kostbaren Erfahrungen des Lebens dem Ausharren und Durchhalten des Nicht-Stattfindens weichen müssen ? Wenn der gebürtige Studienabschluss nicht mehr ist, als ein digital vermitteltes Ereignis ? Kann Musik auch davon später noch erzählen ? Mit Sicherheit, glauben wir bei HORADS. Deswegen gibt es vom Hochschulradio für alle Absolventen und Absolventinnen im Winter 2020/21 eine Playlist, die den Versuch antritt, dem gerecht zu werden. Dem Versuch, einen historischen Bestandteil eures Lebens mit Bedeutung zu verleihen. Nehmt diese Musik an und vielleicht, ja vielleicht erinnert sie euch – liebe Studenten – an eine Zeit vor Corona, oder in ein paar Jahren an das, was eben noch von Bedeutung schien, euren erfolgreichen Abschluss.


 

Konzerte 2021 – Interview mit Gero Stubbe von Club100

Wie können Corona-konforme Konzerte 2021 ausschauen ? Worauf müssen wir uns in naher Zukunft einstellen und wie geht es der Kultur-Branche ? Gero Stubbe ist Initiator und Mitbegründer von Club100, einem solidarischen Projekt zur Unterstützung der Musikbranche, welches in den Räumlichkeiten des Pier2 in Bremen von Januar bis Mai stattfindet. Im Interview mit HORADS spricht er über Hygienekonzepte, mehr Entlohnung für mutiges Handeln und wie das Projekt zum Vorbild für andere Bundesländer werden kann.

Quellen :

Studie zum Primavera Sound Festival : https://www.rollingstone.de/keine-einzige-covid-19-ansteckung-testkonzert-in-barcelona-gibt-hoffnung-2237459/

 

Im Wohnzimmer beim…


08.03.2021 | „Springing“ (Teil 1)


In meiner sechsten Sendung präsentiere ich euch den ersten Teil einer neuen Multi-Genre-Mixreihe: Springing. Frühlingserwachen in diesen verrückten Zeiten. Voller Tatendrang. Mit Maske über Nase und Mund… Ja, es sind schon verrückt-verschobene Zeiten gerade. Umso wichtiger, euch ein wenig frischen musikalischen Wind um die Ohren wehen zu lassen. Viel Freude damit!

Für Kontakt schreibt einfach an: mich@mannaufdercouch.de. Die Einzeltitel aller meiner Sendungen findet ihr auch in einer öffentlichen Spotify-Playlist.


Trackliste


00:00 balkonsounds gablenberg [hintergrundtonspur]
00:09 acid arab – medahat
03:44 manchester orchestra – the silence
09:49 siddhartha khosla – william’s flashback (number three)
12:26 intro/ansagen
13:50 van morrison – into the mystic
17:01 danny adler – lackawanna
28:41 death cab for cutie – the king of carrot flowers, pt. 1
30:25 good old war – coney island
32:41 goose – viper
35:54 flip kowlier – mo ba nin
41:08 jabbadub – politician (roots zombie rmx)
45:28 thomas azier – talk to me
49:03 ibrahim maalouf – introduction
52:49 deus – instant street
58:58 outro/ansagen


Trackreferenzen


[01] ra.co-Review von: Acid Arab – Musique de France
[02] Wikipedia-Eintrag zu: Manchester Orchestra
[03] songmeanings.com-Eintrag zu: Manchester Orchestra – The Silence
[04] northjersey.com-Gespräch mit Siddhartha Khosla
[05] Wikipedia-Eintrag zu: Van Morrison – Into the Mystic
[06] Wikipedia-Eintrag zu: Danny Adler
[07] discogs.com-Eintrag zu: Danny Adler
[08] Wikipedia-Eintrag zu: Death Cab for Cutie
[09] RollingStone-Artikel zu: Death Cab for Cutie – Georgia EP
[10] Wikipedia-Eintrag zu: Good Old War
[11] songmeanings.com-Eintrag zu: Good Old War – Coney Island
[12] Wikipedia-Eintrag zu: Goose
[13] Wikipedia-Eintrag zu: Flip Kowlier
[14] Soundcloud-Präsenz von: Jabbadub
[15] Wikipedia-Eintrag zu: Thomas Azier
[16] sonic-seducer.de-Review von: Thomas Azier – Rouge
[17] Wikipedia-Eintrag zu: Ibrahim Maalouf
[18] kulturzeitschrift.at-Review von: Ibrahim Maalouf – Kalthoum / Red & Black Light
[19] nytimes.com-Review von: Ibrahim Maalouf – Kalthoum (live) [2015]
[20] Wikipedia-Eintrag zu: dEUS
[21] laut.de-Review von: dEUS – The Ideal Crash


Allgemeines zur Sendung


Immer montags um 21:00 seid ihr herzlich willkommen im Wohnzimmer beim MannaufderCouch! Der MannaufderCouch wird „im normalen Leben“ meist einfach Micha genannt und ist von seinen 38 Lenzen die überwiegende Zeit Musikenthusiast durch und durch.

Ich freu‘ mich riesig, dass ich „an dieser Stelle auf dieser Welle“ 😉 meine Lieblingsmusik und meine Neuentdeckungen mit euch teilen darf. Es erwartet euch eine große Bandbreite unterschiedlicher Stile und Spielarten.

Kurz zu mir und meiner Musikleidenschaft: Musik zusammengestellt hab‘ ich eigentlich schon immer: „saß wochenlang zu Hause, mit ’nem Tape auf Rec und Pause“, heißt’s in einem meiner liebsten deutschen Hip-Hop-Tracks, „RAG-Time“ von RAG aka Ruhrpott AG. So fing das auch bei mir an – und war ganz eng mit besonderen Radioerlebnissen verbunden.

Dann entwickelte sich aus der von mir so geschätzten, weil oft so ganz unstandardisierten „Crazy-Verspieltheit“ der 90er heraus eine Radiolandschaft, die mir im Allgemeinen nicht mehr entsprach. So habe ich erst nach und nach wieder „daran angedockt“, unter ganz neuen technischen Gegebenheiten, mit den vielen heutigen Möglichkeiten von Digital- bis Webradio und weltweiter Verfügbarkeit auch lokaler Formate. Was immer da war und wo ich die technischen Weiterentwicklung über die Jahre immer mitging, waren Platten und CDs, Mini-Discs, mp3s, YouTube, so viele Konzerte, Spotify, all der feine Austausch unter Liebhabern der feinen wie schrägen Töne… Das hat mir meine Begeisterung am Zusammenbringen und Teilen von Musik mit offenen und, wie ich, eher „normierungsgenervten“ Menschen erhalten.

So kam ich um das Jahr 2007 konsequenter Weise zu fortlaufenden, ineinandergreifenden Mixes. Und habe diese seither immer weiter entwickelt, vor allem aber: ausdifferenziert. Denn in meiner Rolle als „Mixtape Artist“ geht es mir weniger um das Perfektionieren einer bestimmten Spielart, mehr um „Neues“ in allen Formen. Aus der stetigen Suche nach Synergien zwischen und in ganz unterschiedlichen Stilrichtungen. Immer mit dem Ziel, neue Hörerlebnisse zu schaffen.

Auszüge aus denen darf ich hier wöchentlich mit euch teilen. Wenn ihr mir dazu etwas mitteilen möchtet oder Interesse an meiner Musik im Allgemeinen habt, mehr davon hören möchtet, schreibt einfach an: mich@mannaufdercouch.de.

Albumschau : My Little White Rabbit – „Lowest Heights“


Quelle : Promomaterial


Im manisch depressiven Pandemiewinter schmeißen sich „My Little White Rabbit“ lustvoll in ein kunterbuntes Bällebad aus psychedelischem Garage-Rock und 80er Synthie-Pop. Gemein für alle, die sich derzeit nur zu gern bei Schnee-bedeckten Fensterpanoramen mit Tee und Kuscheldecke einkasteln; hier gibt es die volle Breitseite mit tanzbaren Up-Tempo-Nummern und wabernden Gitarrenwänden.

Das Quintett aus Hamburg um Sängerin und Gitarristin Rike Pfeiffer hatte die Zwangspause im vergangenen Jahr genutzt, um sich in den Schalltona Studios der Hansestadt einzunisten und dabei 12 Songs für den Nachfolger ihres Debüts „Bullets & Poor Hearts“ aufzunehmen. Die Fruchtbarkeit dieser Schaffensphase unter etwas anderen Bedingungen spürt man bereits in den ersten energiegeladenen Sekunden von „Bat in my Livingroom“. Die Songs wirken nun zielstrebiger, spritziger und der Sound insgesamt ausgereifter. Den politischen Diskurs beherrscht die Band, deren Name eine Anspielung auf einen Klassiker von Jefferson Airplane beinhaltet, allerdings genauso wie ihr Instrumentenhandwerk. Inhaltlich geht es um wichtige Themen, die im Schatten der Corona-Omnipräsenz nach wie vor von gesellschaftlicher Bedeutung sind. Während in „Rusty Nail“ und „Moneymaker“ eine Schelte gegen das allseits beliebte Feindobjekt „Kapitalismus“ abgefeuert wird, sollten einem nach „Lucky People“ die Glocken läuten, welch ein Privileg es doch ist, kein Tier unter Menschen sein zu müssen. Und „Hello Mister“ ist mit seiner dezent feministischen Botschaft, seinem Radio-Pop Appeal und charmanten Synthie-Klängen zweifellos jetzt schon einer der launigsten Songs 2021.

Dass diese Themen „My Little White Rabbit“ so locker und unaufdringlich von der Hand gehen, mag an ihrer humoristischen Art liegen, von der man sich persönlich im Band-eigenen Podcast überzeugen und anstecken lassen darf. Darüber hinaus betonte Pfeiffer jedoch ebenso im Gespräch mit HORADS : „Wir sind keine Polit-Band, die ständig mit erhobenem Zeigefinger auf andere deutet“. Assoziationen zu stilistisch verwandten Vertreten wie „Blues Pills“ oder der Würzburger-Band „Wolvespirit“ schweben beim Hören zwar ständig im Raum, sind aber nur bedingt zulässig. Dafür packen die Hamburger zu gerne die Punk-Rock Keule aus, oder setzen dem Hörer zwischendurch auch mal verstörende Experimente an die Ohren, die nicht auf Songlänge gemünzt sind. Langweilig wird es auf „Lowest Heights“ daher eher selten. Nur das Gefühl, alles schon mal so oder so ähnlich gehört zu haben, lässt sich bei der Platte irgendwie schwer abstreifen. Abgesehen davon finden wir den Genre-Mix aber sehr gelungen. So sehr, dass selbst der Streaming-Algorithmus sich am Ende genau umschauen muss, wo er „My Little White Rabbit“ verorten kann.

Gleichzeitig liefert das karrierejunge Kollektiv mit „Lowest Heights“, wie auch schon zuletzt „Sperling“, beste Argumente für die Nachwuchsoffensive deutscher Bands, deren Daseinsberechtigung sich derweil eher am Angebot fehlender Live-Auftrittsmöglichkeiten, als mangelndem Mut zur Innovation und fehlendem Talent entscheidet. Ein leises Versprechen für einen Auftritt im Kessel gab es allerdings schon im Interview, weshalb wir Lockerungen für die Musik- und Kulturbranche langsam doppelt und dreifach herbeisehnen. Bis dahin kann und sollte man sich schon mal die Zeit nehmen, mit dieser aufstrebenden Band warm zu werden.


Anspieltipps : Hello Mister, Bat In My Livingroom, Moneymaker
Release : 22.01.2021 bei popup-Records
Zur Facebook-Seite von My Little White Rabbit.
Lowest Heights“ im Stream :

 

Albumschau : Sperling – „Zweifel“


Quelle : Promomaterial


Es scheint Post-Hardcore aus Deutschland bekommt allmählich ein Luxusproblem. Neben etablierten Bands wie Heisskalt, Fjørt, Van Holzen oder Turbostaat, reihen sich nun die fünf Jungs von Sperling in die lange Linie einer, in den letzten Jahren stark auflebenden, Szene mit ein. Erfreulicherweise nicht in Form lebloser Epigonen von zuvor Dagewesenem, sondern willkommenen Erweiterung des bisherigen Spektrums. Auf ihrem Erstlingswerk „Zweifel“ wandert das Kollektiv aus dem Pfälzischen Hunsrück in selbstbewussten Schritten an der Grenze zu schwermütigem Indie-Rock und spritzigem Deutsch-Rap.

Aus diesem Spagat geht ein Album hervor, das sich ob seiner Melancholie passgenau in die gegenwärtige Winterdüsternis fügt und in ganz wenigen Momenten wärmende Sonnenstrahlen verspricht. Maßgeblich dazu Anteil nehmend an dieser grau-grauen Wolkendecke – ein einsames Cello, welches bei der insgesamt gelungenen Produktion dem Rock-Band Ensemble harmonisch zur Seite rückt, ohne gleich den Kitsch-Pinsel an jeder Ecke schwingen zu wollen. Darüber hört man Frontman „Jojo“ energisch, zwischen Reibeisenstimme und sanftem Sprechgesang, die Themen seiner weltlichen Innenperspektive verarbeiten. „Alle Texte sind auch immer Texte über mich.“, gab der Sänger und Texter im Soundcheck-Interview zu verstehen.

Davon zehren kann allerdings jeder, denn abseits dieser Einblicke bieten die Songs weitreichendes Identifikationspotenzial und streifen laut am Rand der Gesellschaft, dass dem gemeinen Sinnsucher genügend Arbeitsmaterial entgegensteht. Es geht um Vergänglichkeit und Tod, um Haltung und Pflicht, um die Liebe, das Erwachsenwerden und nicht gehörte Stimmen. Und um eine direkte Abrechnung mit einer Musikbranche, die sich eher der Kalkulation verschworen hat, anstatt dem ambitionierten Nachwuchs Flügel zu verleihen: „Zum tausendsten Mal produziert und doch wieder verkauft/immer noch dieselben Kriecher kriegen viel zu viel Applaus/also peace bitches/wir sind raus“ (aus „Eintagsfliege“).

Für die einen wird „Zweifel“ definitiv harte Kost zur Unzeit sein, während es für andere die kanalisierte Gefühlslage in Reinkultur verkörpert. Und für „Sperling“? Vielleicht exakt das Album, worauf sich die Band zu Beginn eingeschworen hatte. Spannend bleibt zuletzt allein die Frage, ob die Newcomer es auch künftig schaffen werden, Konzept und Sound gekonnt zu variieren, bevor man von seinen eigenen Dämonen eingeholt wird. Wer nämlich gleich beim ersten Erscheinen mit Feuer auf die Branche spuckt, lastet sich unweigerlich eine Bringschuld auf, die eine Karriere noch lange begleiten kann. Bis dahin darf man den Jungs allerdings zu ihrem pointierten Einstieg gratulieren, an dem nur wenig Grund zum Zweifeln haften bleibt.


Anspieltipps : Stille, Toter Winkel, Relikt
Sperling’s Debüt-Album „Zweifel“ erscheint am 22.01.2021 bei Uncle M.
Zur Bandhomepage von Sperling.
Zweifel“ im Stream :


 

HORADS reloaded: RotGoldKehlchen

Schlafmangel, Selbstzweifel und drohender Nervenzusammenbruch – diese Symptome können bei Studenten nur eins bedeuten: Die Prüfungsphase steht wieder vor der Tür. Damit dieses Mal aber wirklich alles anders wird, haben wir für euch 5 Tipps zusammengefasst, mit denen ihr entspannt und stressfrei durch die nächsten Wochen kommt:

  1. Erstelle einen Lernplan und finde eine Routine
    Um bei all den Abgaben und Prüfungen den Überblick zu behalten, ist es das Beste, sich von Anfang an einen Lernplan aufzustellen und fixe Termine für die Aufgaben festzulegen. Definiere außerdem täglich feste Zeitspannen für das Lernen, in denen du dann mit vollem Fokus arbeitest. So findest du eine Routine und kannst die Aufgaben in deinen Tagesablauf integrieren. Es kann außerdem helfen, wenn du dir zusätzlich zu deinem Lernplan jeden Tag eine kleine To-Do-Liste schreibst, auf der du die erledigten Aufgaben immer durchstreichen kannst. So siehst du immer sofort, was du schon geschafft hast, was dann wiederum für eine extra Portion Motivation sorgt!
  2. Vermeide Ablenkungen
    Wir alle kennen es: gerade hat man noch einen Fachbegriff gegoogelt und im nächsten Moment scrollt man minutenlang durch den Instagram-Feed. Deswegen ist es wichtig, dass du während deinen fixen Lernzeiten jede Ablenkung vermeidest, um die Zeit effizient zu nutzen. Es kann helfen, sich „Not-to-Dos“ zu formulieren und diese schriftlich festzuhalten z.B. „Beim Lernen nicht das Handy benutzen“. Sobald man diese Schwächen benannt hat und auf Papier neben sich liegen sieht, ist man gleich weniger anfällig dafür, weil man sich sofort ertappt fühlt.
  3. Mache Pausen und belohne dich
    Mindestens genauso wichtig wie Lernblöcke, sind jedoch auch die Zeiten dazwischen. Deswegen genieß gezielte Qualitytime – allein oder mit Freunden! Geh raus an die frische Luft und beweg dich. Pausen sind aber nicht nur wichtig, um dem Gehirn die Möglichkeit zu geben, das Gelernte zu verarbeiten und abzuspeichern. Sie sind auch wichtig für deine emotionale Gesundheit. Sei nicht zu streng zu dir und gönne dir während der Prüfungsphase ab und zu etwas Schönes z.B. deine Lieblingsschokolade, eine Serie, …
  4. Sorge für genügend Schlaf
    Für Schlaf sollte immer Zeit sein, besonders während der Prüfungsphase. Ohne ausreichend Schlaf sinkt nämlich nicht nur die Leistungsfähigkeit. Wer seinem Körper keine Erholungsphase gönnt, riskiert auch, dass das Gelernte leichter in Vergessenheit gerät, da es sich nicht im Gedächtnis festigen kann.
  5. Lebe gesund
    Prüfungsphase heißt für die meisten: TK-Pizza und Nudeln mit Pesto. Zahlreiche Studien beweisen allerdings, dass eine nährstoffreiche, gesunde Ernährung für mehr Energie sorgt und die Konzentration verbessert. Sport macht dich nicht nur fitter, sondern ist auch ein perfekter Ausgleich in den Pausen. Hier reicht auch schon ein 10-Minuten-Workout aus Youtube.

Damit dieses Semester auch wirklich gar nichts mehr schief gehen kann, haben wir auch diese Woche wieder in unserem HORADS-Archiv gekramt und einen passenden Hörtipp gefunden. In der Show RotGoldKehlchen von Maggie und Luci erwarten euch neben vielen weiteren Tipps auch interessanten Fakten über Lernstress. Außerdem stellen die beiden verschiedene Lerntechniken vor, die dafür sorgen, sich besser an das Gelernte erinnern zu können. Die ganze Folge findet ihr wie immer auf Soundcloud oder direkt hier zum Nachhören: