Zum Glück kann man sich täuschen: Steven Wilson bekennt sich zu seiner Pop-Affinität – HORADS 88,6 INTERVIEW

Als Anfang des Jahres Steven Wilsons Interims-Album „4 ½“ erschienen ist, haben wir euch hier den darauf enthaltenen Song „Happiness III“ näher vorgestellt (https://www.horads.de/glueck-so-einfach/). Der Song klingt, verglichen mit anderen Songs von Steven Wilson, ungewöhnlich catchy. Viele seiner Kompositionen sind wegen stilistischen Brüchen, Taktwechseln und komplexen Arrangements weniger leicht zugänglich. „Happiness III“ dagegen ist ein echter Ohrwurm. Nach eigenen Aussagen klang der Song für Steven Wilsons Ohren schon fast zu massentauglich, so dass er jahrelang zögerte, ihn zu veröffentlichen. Das hat uns zu der Mutmaßung geführt, dass der Song gerade wegen seiner Pop-Qualität wohl nicht als Single erscheinen wird. So kann man sich täuschen, denn genau das ist jetzt passiert: Am 14.10. wurde er als Vinyl-Single + Download (via Kscope) veröffentlicht! (Man beachte den schönen Kontrast zwischen der poppig eingängigen Melodie und dem nicht gerade mainstream-tauglichen Medium! Oder wie viele Vinyl-Singles habt ihr so im Regal stehen?) Bereits am 16.09. wurde mit „Transience“ eine Sammlung von Steven Wilsons eingängigeren Songs auf CD veröffentlicht, die letztes Jahr bereits auf Vinyl erschienen war – nun aber noch um „Happiness III“ erweitert.

Komponiert wurde „Happiness III“ schon vor über 13 Jahren, und  – wie die Ziffer im Titel andeutet – in mehreren Fassungen überarbeitet. Ursprünglich war der Song als Teil eines Soundtracks zu einem Film namens „Deadwing“ geplant. Steven Wilson schrieb das Script zusammen mit dem befreundeten Künstler Mike Bennion. Da der Film nie gedreht wurde, kamen die meisten Songs – ohne „Happiness III“  – stattdessen  auf das Album „Deadwing“ (2005) von Steven Wilsons Band Porcupine Tree.

Im Juli, am Tag seines letzten Europa-Konzerts in diesem Jahr, sprach Steven Wilson im Interview mit HORADS 88,6 ausführlich über die lange Vorgeschichte von „Happiness III“ und seinen Traum, irgendwann die Musik zu einem Film beizusteuern. Außerdem hat er uns verraten, dass sein nächstes Album – anders als die überwiegend aus epischen Prog-Rock-Kompositionen bestehenden letzten beiden Konzeptalben – stilistisch deutlich in Richtung eingängig strukturierter Pop-Songs à la „Happiness III“ gehen wird:

Als ein Vorbild für diese Art des Songwritings – reduziert und gleichzeitig kunstvoll –, nennt Steven Wilson David Bowie, der das poppig Eingängige mit dem Außergewöhnlichen kombinierte und sich immer wieder neu erfunden hat.

Im Januar, vor dem ersten Konzert seiner HAND.CANNOT.ERASE.-Tour 2016, zwei Tage nach Bowies Tod, zeigte sich Steven Wilson im Interview traurig über diesen Verlust:

Kurzfristig hat er in sein Tour-Repertoire Bowies Hymne „Space Oddity“ als Tribut an den Pop-Hero aufgenommen. Jetzt ist die Live-Version dieses Bowie-Tributs (Konzertmitschnitt: Hammersmith Apollo, 27.01.16) zur B-Seite der Vinyl-Single „Happiness III“ geworden.

Lydia Michel

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