Generation Y: Der Wunsch nach Selbstverwirklichung

Digital Natives oder auch Generation Y – Das sind jene Menschen, die um das Jahr 2000 mitten in ihrer Jugend steckten und nun langsam Fuß fassen müssen – in einer sich ständig weiterentwickelnden Gesellschaft. Was zeichnet die Generation aus, mit welchen Problemen hat sie zu kämpfen und was macht sie besonders? Wir haben mit Luisa, Patrick und Myria über ihr Leben, über ihre Angewohnheiten und Zukunftsvisionen geredet.

Wer im Jahr 1981 bis 1995 geboren ist, der darf sich als Teil der Generation Y fühlen. Sie wuchsen in einer Zeit auf, in der das Internet groß wurde und die Gesellschaft von ständigem Wandel geprägt war. Luisa ist das perfekte Beispiel für eine „Digital Native“. Laptop und Smartphone sind für sie ein täglicher Begleiter. Sie ist mit dem Internet groß geworden, im Social Web zuhause. Das prägt ihren Alltag grundlegend. Ständige Erreichbarkeit und Mobilität gehören zum Lifestyle der Generation Y. Und nicht nur das. Die Technik gilt heutzutage als Schlüssel zu einer guten Ausbildung.

Mit dem Ernst des Lebens kommt gleichzeitig die Herausforderung, die Zukunft zu planen. Doch wie soll das gehen in einer Welt, die sich ständig verändert? Vor allem bei der Berufsfindung fallen Entscheidungen immer schwerer. Auch Patrick hatte den Wunsch nach mehr Flexibilität und flacheren Hierachien. Er kehrte dem Dasein als Angestellter den Rücken. Gemeinsam mit zwei Freunden verwirklichte der 26-Jährige seinen Wunsch nach Unabhängigkeit und gründete das Start-Up „Code2Order“. Der Sprung in die Selbstständigkeit bringt aber auch eine berufliche Unsicherheit mit sich.

Trotz Unsicherheiten steht für viele junge Menschen die berufliche Zukunft im Vordergrund. Hier bleibt nur wenig Platz für Haus und Familie. So kommt auch die Tradition, bereits jung zu heiraten, aus der Mode. Autor Michael Nast spricht in seinem Buch Generation Beziehungsunfähig“ von Bindungsängsten und Unsicherheiten junger Erwachsener. Seine Lesungen sind gut besucht, denn identifizieren können sich mit seinem Buchtitel viele. Er erzählt von seinen Eltern, die in seinem Alter bereits viel weiter im Selbstfindungsprozess und der Partnerfindung waren. Den Grund sieht er in der Angst, sich im Selbstverwirklichungsprozess eingeschränkt fühlen zu müssen. Die junge Generation weist bei der Partnerwahl dieselben Impulse auf, wie beim Produktkauf,“ erklärt er. „Wir haben so viele Möglichkeiten, dass wir uns nicht entscheiden können.“ Deutlich werde das vor allem bei dem Datingportal Tinder. Hier ist es wie mit einem Kleidungsstück. Man sieht es sich für einen kurzen Moment an und läuft meist weiter zum Nächsten. Er beschreibt Tinder als einen Fleischmarkt, sortiert nach ästhetischen Gesichtspunkten. „Die Mechanismen unserer Konsumgesellschaft gehen in unser Sozialverhalten über und das ist das eigentliche Problem.“

Eine Generation, die sucht und fragt, sich einfach nicht entscheiden kann. Welches Zitat das Ganze auf den Punkt trifft?

Eine komplette Generation als beziehungsunfähig zu bezeichnen? Das finden Alex und Myria falsch. Sie sind seit sechs Jahren in einer glücklichen Beziehung und zeigen, dass das Problem der Partnerfindung kein Generationenproblem sein muss.

Wie Soziologe Prof. Hurrelmann von der Universität Bielefeld die Generation Y einschätzt, das gibt es bei Kulturgeflüster bei HORADS 88,6 zum Nachhören.

                                                                                                                             Text: Jana Schüler

Foto&Audio: Lara Peterke, Isabell Hogh-Janovsky